Großes Interesse für kleine Windanlagen
Letzten Freitag (05. 06. 2009) im Kleinen Sitzungssaal des Rathauses Altenberg: Zu der vom Energie-Tisch Altenberg e.V. eingeladenen Veranstaltung zu Kleinwindanlagen waren überraschenderweise um die 50 Leute gekommen. Michael Heyde, der in Reinholdshain Kleinwindräder fertigt und von hier aus in die ganze Welt vertreibt, referierte über Anwendungsgebiete, Kosten und Nutzen und Aufstellungsbedingungen der verschiedenen Modelle im Leistungsbereich von 0,3 bis 6,0 KW. Sie stellen eine sinnvolle Ergänzung der Energieversorgung aus erneuerbaren Energien im ländlichen Raum dar. Allerdings ist seit der Einführung einer Baugenehmigungspflicht auch für Kleinwindanlagen im Oktober 2004 durch die Sächsische Staatsregierung kaum eine solche in der Region genehmigt worden. Heyde hat trotzdem genug zu tun. In West- und Südwesteuropa finden seine Produkte reißend Absatz, auch nach Russland und in die Türkei wurden Geschäftsbeziehungen geknüpft. Für das weitestgehend sächsische Produkt arbeiten in unserer Region um die 10 Beschäftigte.
Vor allem zum Thema Baugenehmigung gab es viele Fragen der Besucher, die aus der ganzen Region angereist waren. Herr Richter von einem Planungsbüro in Pirna etwa hat einen Antrag für die Aufstellung eines Kleinwindrades der Leistung 3,5 KW in Ammelsdorf gestellt und wartet bis heute auf eine Entscheidung. Frau Jacob aus Dittersdorf wartet sogar seit über vier Jahren auf die Genehmigung für ein 3,5 KW-Windrad, mit dem sie Strom für die Aufheizung des Pufferspeichers im Ausgleich für 6000 Ltr Heizöl Jahresverbrauch auf ihrem Grundstück erzeugen möchte. Herr Tittel aus Fürstenwalde musste sein vom Stadtrat Geising bereits genehmigtes Windrad unlängst wieder abbauen, weil Gutachten der Unteren Naturschutzbehörde ausstehen und deshalb ihm nur eine befristete Betriebsgenehmigung erteilt wurde. Frau Jacob und Herr Tittel brennen für erneuerbare Energie, sind sie doch fest davon überzeugt, dass nur eine Energiewende den Klimawandel stoppen und das Leben auf unserem Planeten für unsere Nachkommen noch lebenswert machen kann. Herr Vogler aus Zinnwald fragt, ob er ein Windrad auf seinem Grundstück genehmigt bekäme.
Nein, ohne weiteres sei dies nicht möglich, antwortete ihm Frau Albertus vom Geschäftsbereich Bau und Umwelt des Landratsamtes, die der Einladung des Energie-Tisches gefolgt war. Ihr gelingt es, etwas Licht in das Dunkel der Genehmigungsverfahren zu bringen, die nicht nur vom Freistaat, sondern auch von der EU vorgegeben werden. Grundsätzlich müsse bei der Genehmigung auch die Untere Naturschutzbehörde eingeschaltet werden, die in unserer zumeist sensiblen Region mit Vogelschutz- und FFH-Gebieten dazu gehört werden müsse.
Potenzielle Betreiber von Kleinwindanlagen müssen in teuren Gutachten nachweisen, dass die Windräder nicht den Lebensraum von Fledermäusen gefährden. Langwierige Beobachten zu verschiedenen Jahreszeiten und vor allem nachts sind dazu erforderlich. In seiner Praxis allerdings, so Michael Heyde, sind ihm geschredderte Fledermäuse noch nicht untergekommen. Es ist wie so oft im Leben: Zukunftsträchtige Technik steht scheinbar Naturschutzinteressen und Artenerhalt entgegen. Muss das aber sein? Um beides unter einen Hut zu bringen, müsse etwas getan werden, sind sich die Veranstaltungsteilnehmer sicher. Denn sie vermuten auch, dass hier etwas vorgeschoben wird, was bei Großwindkraftanlagen sicherlich von Wichtigkeit ist, jedoch bezogen auf kleine Anlagen übertrieben werde. Jens Weber von der Grünen Liga Osterzgebirge schlägt vor, über die Förderrichtlinie „Natürliches Erbe“ eine kleine Feldstudie zu finanzieren, die die Beeinträchtigung des Lebensraumes von Fledermäusen und Vögeln durch Kleinwindanlagen überprüfen soll. Unter Einbeziehung von Altanlagen, die vor Oktober 2004 errichtet wurden, könnte dann eine grundsätzliche naturschutzfachliche Entscheidung die teuren Einzelgutachten ersetzen.
Frau Albertus sagte zu, diesen Vorschlag mit ins Landratsamt zu nehmen, um gemeinsam mit der Unteren Naturschutzbehörde eine Lösung zu finden. Der Energie-Tisch wird mittelfristig zu dem Thema erneut eine Veranstaltung durchführen. Bereits für den 11. Juni, 17 Uhr, lädt der Vereinigung zur Förderung der Nutzung Erneuerbare Energien Sachsen (VEE) zur Gründung eines Arbeitskreises Kleinwindanlagen in das Umweltzentrum Dresden ein. Das Thema brennt vielen Menschen unter den Nägeln. Und Michael Heyde würde auch wieder in Sachsen für seine Anlagen werben, wenn er denn wüsste, dass sie genehmigt werden. Vielleicht könnte er mit neuer Energie so noch mehr Arbeitsplätze in unserer Region schaffen.
