Von Walter Jungbauer
Wenn sich die Atomindustrie am Mittwoch und Donnerstag auf der diesjährigen Wintertagung des»Deutschen Atomforums« in Berlin trifft, wird erneut das Loblied vom atomaren Klimaschutz erklingen. Es wird immer wieder gern intoniert. In den Chor stimmen auch die für Energie zuständige EU-Kommissarin Loyola de Palacio sowie Ex-Umweltministerin und Kanzler-Aspirantin Angela Merkel ein.
Wer mit den energiepolitischen Melodien vertraut ist, wird aber auch die schrägen Töne in diesem Wohlgesang wiedererkennen: Da sind zum einen die exorbitant hohen indirekten und direkten Subventionen, die noch immer in die Atomkraftfließen: steuerfreie Rückstellungen. die Nichtbesteuerung des Primärenergieträgers Uran, die unzureichende Haftpflichtversicherung und anderes. Ohne diese »Förderung« würde jede Kilowattstunde Atomstrom mehr als 50 Cent kosten.
Es gibt noch mehr Misstöne: die Gefahren eines GAU durch Unfall oder jederzeit mögliche Terroranschläge: der Atommüll, der für Millionen Jahre sicher von der Biosphäre getrennt verwahrt werden muss. Bei einem fossil-nuklearen Energiemix , wie ihn Union und FDP vorschlagen, müssten in der Bundesrepublik 50 bis 70 neue Atomkraftwerke gebaut werden, um die nötigen Klimaziele zu erreichen. Das zeigt: Das atomare Lied wird von den großen Energieversorgern nicht für mehr Klimaschutz gesungen. Vielmehr sollen damit die Verbraucher eingelullt werden.
Würde es den versammelten Managern tatsächlich um Klimaschutz gehen, hätten sie schon längst das atomare Notenblatt zur Seitegelegt und das dicke Liederbuch der Effizienz, des Stromsparens und der erneuerbaren Energien zur Hand genommen. Aber solche hocheffizienten und klimafreundlichen Stücke wie beispielsweise die Kraft-Wärme-Kopplung werden nicht von Massenchören, sondern nur von vielen kleinen Gesangsvereinen angestimmt. Das alternative Liedgut ist vielstimmig, dezentral und schwermonopolisierbar. Uninteressant für Menschen, denen es am liebsten ist wenn alle nach ihrem Taktstock springen.
