Ein Kraftwerk, das die Sonne anzapft
Über zwanzig Bürger wollen mit Solarstrom Geld verdienen und dabei die Umwelt schonen.
Wir wollen heute die Energiewende im Landkreis einleiten“, verkündet Maria Giesing am Donnerstagabend im Gothischen Saal der Pirnaer Bibliothek. Sie ist Vorsitzende der Grünen im Landkreis und hat mit ihrem Kollegen Claus Krüger zu einer Informationsveranstaltung zu einem Bürgerkraftwerk eingeladen.
Ein Bürgerkraftwerk ist eine große Solarstromanlage, an der viele Bürger Anteile besitzen. Jeder, der in seinem Heim keine Möglichkeit zur Solarstromgewinnung hat, aber trotzdem seine Energie natürlich gewinnen möchte, soll dazu die Möglichkeit bekommen. Je nach Geldbeutel kann er dann einen Teil oder gar seinen ganzen Strombedarf aus der Sonne gewinnen. Und mit der Energiewende wollen die Grünen genau solche Energiegewinnung fördern, um vom Strom aus Öl, Gas und Kohle loszukommen. „Die Vorkommen dieser fossilen Energieträger sind in absehbarer Zeit alle“, sagt Thomas Hoffmann. Er arbeitet für die Firma Sachsen-Solar und stellt an diesem Abend bereits laufende Bürgerkraftwerke vor.
„Da Erdöl aber auch für die Gewinnung von Kunststoffen nötig ist, ist es zum Verheizen eigentlich viel zu schade“, fährt er fort. Es gibt auch weitere, ökologische Gründe für ein Solarkraftwerk. „Eine Solarstromanlage mit einem Kilowatt Leistung erspart der Umwelt bereits 730 Kilogramm Kohlendioxid im Jahr“, sagt der Experte. Auch ein ferner Ausstieg aus der Atomkraft funktioniert nur mit einer Stärkung von erneuerbaren Energien. Ein Zwischenrufer fragt nach der Umweltbelastung, die bei der Herstellung der Solar-Module entsteht. „Maximal vier Jahre, dann hat das Modul die Energie erzeugt, der es zur Herstellung bedarf“, entgegnet Thomas Hoffmann. Bei einer Lebensdauer von 25 Jahren sei das ein akzeptabler Wert.
Es gibt auch finanzielle Gründe für die Beteiligung am Bürgerkraftwerk: Es sei eine sichere, übersichtliche, lokale Geldanlage. Wer seinen Anteil 25 Jahre lang hält, käme auf einen Gewinn vergleichbar mit einer Verzinsung von vier bis fünf Prozent. Die Sicherheit ergibt sich aus den Vorgaben des Staates: Mit dem Erneuerbare-Energieen-Gesetz des Bundes ist den Betreibern von Solarkraftwerken für zwanzig Jahre eine feste, relativ hohe Pauschale pro erzeugte Kilowattstunde gesichert, die sie von den großen Stromanbietern bekommen, wenn sie ihren Sonnenstrom in deren Netz einspeisen.
Bis das Geld zurückfließt, ist es allerdings noch ein weiter Weg. Es bedarf Initiatoren, die die Idee vorantreiben, Mitstreiter werben, eine Gesellschaft gründen. Claus Krüger hat zwar den Stein ins Rollen gebracht, möchte sich jetzt aber zurückhalten: „Das Projekt soll aus dem grünen Umfeld raus. Klimaschutz geht schließlich alle was an. Schön wäre es, wenn sich Bürger über die Parteigrenzen hinweg dafür interessieren.“ Im Gothischen Saal sind seine Parteifreunde schon mal in der Unterzahl.
Geeignetes Dach gesucht
Dann muss ein geeignetes Dach gefunden werden. „Gut ist ein öffentliches, bekanntes Gebäude, was ganz sicher noch ewig stehen wird“, sagt Thomas Hoffmann. In Dresden hat er ein Bürgerkraftwerk auf dem Hygienemuseum gebaut. Für Pirna schlagen die Interessenten die Parkhäuser der Innenstadt, das Krankenhaus oder eine Schule vor. Claus Krüger favorisiert das Berufschulzentrum in Copitz. „Ein gutes Flachdach, keine Bäume in der Nähe.“ Einem jungen Mann gefällt ein Dach auf dem Sonnenstein besser: „Der Name wäre Programm.“
Am Ende des Abends stehen zehn Leute mit Kalendern in der Hand im Gothischen Saal und vereinbaren einen Termin, an dem aus der Idee ein Projekt entstehen soll, die Energiewende beginnen kann.
Von Michael Rasche, Sächsische Zeitung 04. 06. 2006
Beteiligen können sich alle Bürger, die mit ihrem Geld umweltschonende Energiegewinnung unterstützen wollen und außerdem eine sichere Geldanlage suchen.
Der Mindestanteil liegt bei vergleichbaren Bürgerkraftwerken in Dresden bei 500 Euro.
Ansprechpartner in Pirna ist Uwe Schädlich, 03501/56 89 30, uweschaedlich@sep-pirna.de.
Claus Krüger auf dem Dach des evangelischen Kinderhauses Pirna. Hier wird bereits mit Sonnenkollektoren Energie gewonnen. Das wollen jetzt auch die Beteiligten eines Bürgerkraftwerks.Archivfoto: Daniel Förster
