Windkraft für Datsche oder Boje

Bei Michael Heyde aus Obercarsdorf treffen sich Hobby, berufliche Erfahrung und Ausbildung günstig

Der Mechaniker Michael Heyde aus Obercarsdorf stellt Flügel für Windrotoren her. Sein Ziel ist, in eigener Fertigung komplette Kleinwindanlagen zu bauen. Dazu kaufte er jetzt ein Fertigungsgebäude in Reinholdshain.

"Das ist jetzt so sechs, vielleicht acht Jahre her. Da lag ich an der Ostsee am Strand, sah eine Windkraftanlage, und die Technik faszinierte mich. Ich habe dann den ganzen Urlaub gezeichnet und geplant", erzählt der Obercarsdorfer Michael Heyde. Damals entstanden die ersten Ideen für den Schritt in die Selbstständigkeit, den er 2001 verwirklichte.

Heute produziert und verkauft er kleine Windanlagen. Das sind Windrotoren, die im Garten oder an der Datsche ihren Platz finden können. In der Ostsee schwimmen Warnbojen, die eine Photovoltaik anlage besitzen und einen kleinen Windrotor. Beide gemeinsam versorgen eine Batterie mit Spannung, die ihrerseits das Warnlicht in Gang hält. Die Windanlage dafür kommt aus Obercarsdorf.

Heyde hatte in Glashütte Mechaniker gelernt, später im Behälterbau in Dippoldiswalde gearbeitet. Nach der Wende ging er in den Außendienst. Sein Hobby war jahrelang die Modellfliegerei. So besaß er Kenntnisse in der Aerodynamik, verstand etwas von Mechanik und hatte Vertriebserfahrung. Darauf gründete er 2001 seine selbstständige Existenz, die er im Eigenheim in Obercarsdorf startete.

Von 16 Zentimetern bis zu drei Metern Durchmesser
Seine Hauptstrecke ist inzwischen die eigene Produktion von Flügeln für Kleinwindkraftanlagen. Sie reichen von Minirotoren mit 16 Zentimetern Durchmesser bis zu den Größten, die eine Spannweite von drei Metern haben. In der so genannten Laminiertechnik baut Heyde sie von Hand aus Glasfasern und Kunstharz.

In seinem Geschick liegt es, die Flügelform richtig zu berechnen. Dass er es geschafft hat, eine amerikanische Windanlage mit seinen Flügeln besser laufen zu lassen als mit denen des Originalherstellers, macht ihn natürlich stolz. Entsprechend seiner Berechnung wird ein Prototyp gebaut, nach dem er eine Negativ-Form herstellt. Diese Werkzeuge sind dann die Grundlage für seine Handserienproduktion.

Da er seinen Ein-Mann-Betrieb in der Perspektive ausweiten will, kaufte er in Reinholdshain das Gebäude des früheren feinmechanischen Betriebs Rudolph. Hierhin verlegte er zuerst die Flügelherstellung, weil das Kunstharz, das er verwendet, einen kräftigen Geruch ausströmt, den er nicht mehr im Wohnhaus haben wollte. Schritt für Schritt will er das gekaufte Gebäude auf Vordermann bringen und sein Unternehmen aufbauen. Allerdings vermeidet er die Abhängigkeit von Krediten. Daher kann er es nur langsam wachsen lassen.

Probelauf mit einem 600-Watt-Generator
Heyde hat das Ziel, ganze Windkraftanlagen selbst herzustellen. Als nächstes macht er sich an den Bau eines 600-Watt-Generators, sozusagen als Probelauf. Später will er Anlagen in der Größenordnung von 3 000 bis 5 000 Watt selbst fertigen. Der Schwerpunkt soll dabei auf der eigenen Produktion liegen.

Aber Heyde vertreibt auch Produkte anderer Anbieter, um sein Angebot abzurunden. Denn zu einer Insellösung, die beispielsweise die Stromversorgung eines abgelegenen Gebäudes absichert, gehört neben einem Windgenerator noch die Photovoltaik und eine Batterieanlage, um die gewonnene Elektrizität zu speichern. Und wer den Windstrom aus seinem eigenen Garten in das heimische Stromnetz einspeisen will, benötigt dazu auch entsprechende Elektronik.

Sächsische Zeitung, Freitag, 6. Februar 2004, von Franz Herz

http://www.heyde-windtechnik.de/

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