Alte Heizölkessel müssen zum 1. November raus
Förderwege und Alternativen
Besitzer veralteter Heizölanlagen müssen sich sputen, denn am 1. November läuft die letzte Übergangsfrist der Bundes-Immissionsschutzverordnung aus. Anlagen mit hohen Abgasverlusten müssen ausgetauscht werden, ansonsten drohen Bußgelder oder sogar die Stilllegung der alten Kessel. Wer nun modernisieren möchte kann jedoch auf Zuschüsse und auch preiswerte Darlehen hoffen.
Die Bundesimmissionsschutzverordnung nimmt all jene alten Heizölanlagen ins Visier, deren Abgasverluste zwischen neun und elf Prozent liegen. Ziel ist es, den Schadstoffausstoß und auch den Energieverbrauch von Heizungen zu reduzieren. Rund 500.000 überalterte Anlagen, so schätzen Experten, sind derzeit davon betroffen. Das können Heizungen in Mehrfamilienhäusern sein, ebenso aber auch in Eigenheimen. Und die, die es angeht, müssten inzwischen auch Bescheid wissen, so Carsten Körnig, Geschäftsführer der Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft. Er hofft, dass auch seine Branche von der Pflicht zur Umstellung profitieren kann.
Der Schornsteinfeger wird einem das spätestens sagen. Der misst ja einmal im Jahr und wenn der feststellt, dass die Werte nicht eingehalten werden, dann gibt es eine Mitteilung. Es gibt eine Frist, in der man austauschen kann, das sind sechs Wochen. Und in dieser Zeit kann man sich vom Fachhandwerker ein Angebot einholen, der ist auch in der Lage, das ganze gleich mit einer Solarwärmanlage zu verkoppeln. Das dauert zwei bis drei Tage, dann ist die Anlage auf dem Dach. Aber man sollte sich sputen, nicht dass nachher vielleicht die Kollektoren knapp werden.
Nun muss die Umstellung nicht zwingend auf eine Solarwärmanlage erfolgen, sie ist aber dank staatlicher Zuschüsse und verbilligter Darlehen eine recht attraktive Alternative. So gibt das Bundesamt für Wirtschaft Hauseigentümern einen Zuschuss in Höhe von 110 Euro pro installiertem Quadratmeter Sonnenkollektorfläche. Zudem bietet die Kreditanstalt für Wiederaufbau allen Heizungsmodernisierern zinsgünstige Darlehen aus dem Gebäudesanierungsprogramm an. Jürgen Will ist Geschäftsführer einer Installationsfirma in Berlin-Pankow.
Eine konventionelle Heizungsanlage kostet etwa 5.000 Euro. Die Alternative, eine zusätzliche Solaranlage, da liegen Sie bei Kosten von ungefähr 10.000 Euro. Sie bekommen bei der entsprechenden Kollektorfläche eine Förderung von zirka 600 Euro. Zudem ein zinsgünstiges Darlehen, das zwei Prozente unter dem Marktzins liegt. Wenn man jetzt beide Investitionen vergleicht, komme ich auf einen Unterschied, der ungefähr bei 50 Euro pro Monat liegt - für Zins und Tilgung. Der Unterschied ist damit gar nicht so groß. Und dieser Unterschied wird im Verbrauch kompensiert.
Rund 600.000 private Hausherren haben sich inzwischen in Deutschland für eine Solarwärmanlage entschieden. Eine gewisse Skepsis der Bürger gibt es aber wohl immer noch. Befürchtungen, dass Qualitäts- oder auch Komfortbeeinträchtigungen folgen könnten, weißt Carsten Körnig zurück. Eine kleine, moderne Kombianlage mit nur sechs Quadratmetern Kollektorenfläche auf dem Dach verbinde Solartechnik mit traditionellen Formen der Energiegewinnung. Das kann auch weiterhin Gas- oder Öl heißen.
Man muss dies natürlich im Jahresdurchschnitt sehen. Da ist man in der Lage mit einer kleinen Anlage von fünf oder sechs Quadratmetern im Schnitt 60 Prozent des Wassers solar zu erwärmen. Das heißt: Im Sommer ist eine vollständige Deckung möglich, im Winter mit einem geringeren Anteil. Aber im Schnitt eben 60 Prozent. Das heißt beispielsweise rund 2000 mögliche Duschgänge im Jahr - mit einer solchen kleinen Anlage.
Doch gibt es längst auch Alternativen zu Öl und Gas, deren Preisentwicklung ja immer etwas ungewiss ist. Jürgen Will plant in Berlin vor allem für Mehrfamilienhäuser. Dabei werde Holz als traditioneller Energieträger derzeit wieder entdeckt.
Eine echte Alternative, insbesondere für alte Ölheizungsanlagen, ist das Heizen mit Holzpellets. Das sind kleine Holzpresslinge, die sehen etwas aus wie Hundefutter. Da gibt es Vorratsbehälter, ein bis zwei Kubikmeter, und die Heizung funktioniert vollautomatisch. Da bestellt man sich also den Pelletwagen als Tankwagen und alles ist schön. Wir stellen fest, dass in diesem Bereich die Nachfrage deutlich anzieht, weil sich die Leute Gedanken darüber machen, wie sie von Öl und Gas wegkommen. Und da sind Holz-Heizungsanlagen eine echte Alternative geworden.
Doch egal, wie sich die Hauseigentümer entscheiden, fest steht, veralterte und verschwenderische Heizkessel müssen raus. Denn stellt der Schornsteinfeger ab November höhere Grenzwerte als erlaubt fest, muss er dies den zuständigen Aufsichtsämtern melden.
