Schwarze Null in Sicht
Solaranlagen werden dank erhöhter staatlicher Förderung attraktiver
Stephanie Hoenig
Angesichts hoher Ölpreise durch den drohenden Irak-Krieg denken viele Bauherren zurzeit wieder verstärkt über den Bau einer Solaranlage nach. Spielten lange Zeit ökologische Gesichtspunkte bei derartigen Überlegungen die Hauptrolle, geht es inzwischen auch darum, ob sich Sonnenenergie wirtschaftlich rechnet. Das erheblich teurer gewordene Öl und eine bessere staatliche Förderung sind dabei zentrale Faktoren.
Seit Februar bekommen Bauherren im Rahmen des so genannten Marktanreizprogramms statt 92 Euro nunmehr 125 Euro Zuschuss pro Quadratmeter Kollektorenfläche. Weitere Fördermittel gibt es durch das 100 000-Dächer-Solarstrom-Programm der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).
20 Jahre lang Vergütung garantiert
Zur Energie-Gewinnung mit Sonne auf dem Dach stehen zwei Systeme zur Verfügung: Solarstrom gewinnen kann ein Bauherr mit einer Photovoltaik-Anlage. Durch die Bestrahlung der Solarzellen mit Licht liefert eine solche Anlage Gleichstrom, der dann in haushaltsüblichen Wechselstrom umgeformt wird. Der Strom wird immer in das öffentliche Netz eingespeist, sagt Matthias Reizenstein vom Hersteller Braas in Oberursel (Hessen). Der Betreiber der Anlage erhalte für eine im Jahr 2003 installierte Anlage eine für 20 Jahre garantierte Vergütung von 45,7 Cent pro Kilowattstunde. Dies sei im Erneuerbare-Energien-Gesetz festgelegt. Nicht verwechselt werden sollten Photovoltaik-Anlagen mit Solarthermie, bei der spezielle Kollektoren auf Sonnenfang gehen. Solarthermie-Anlagen stellen Warmwasser für den eigenen Haushalt zur Verfügung, erklärt Franz Meyer vom Bine-Informationsdienst in Bonn, einer vom Bundeswirtschaftsministerium unterstützten Beratungseinrichtung. Auch die Raumheizung könne durch eine Solarthermie-Anlage unterstützt werden. Mit einem Standard-Brauchwasser-Solarsystem kann man bis zu 70 Prozent Energie für das Warmwasser einsparen, sagt Ralf-Rainer Nolte von Hersteller Stiebel Eltron aus Holzminden.
Deutlich geringer seien je nach Dämmzustand des Hauses die Energieeinsparungen bei der Heizung. Ein Solarsystem müsse deshalb immer mit einer anderen Heizart verbunden werden. Setzt man auf regenerative Energien, könne beispielsweise eine Wärmepumpe mit einen Solarsystem kombiniert werden. Mittlerweile technisch ausgereift sind Solaranlagen für Warmwasser, sagt Reizenstein. Ob sie sich bei den derzeitigen Preisen für Öl, Gas und Strom auch finanziell auszahlen, sei aber nicht garantiert.
Dies hänge auch davon ab, ob das Warmwasser bislang mit teurem Strom oder vergleichsweise günstigerem Gas erwärmt wurde. Allerdings ließen sich die durchschnittlichen Investitionskosten von 4 000 bis 6 000 Euro für eine Anlage mit Kollektor, Rohrleitungen, Speicher und Montage durch staatliche Fördermaßnahmen senken. Die Investition in eine Solaranlage für Heizung und Brauchwassererwärmung sollte bei den Investitionen zum Energiesparen nicht an erster Stelle stehen, sagt Bernd Komma vom Umweltinstitut im München. Stünden nur begrenzt Mittel zur Verfügung, sollte im ersten Schritt immer in Dämmmaßnahmen und anschließend in die Modernisierung des Heizsystems investiert werden. Solaranlagen seien nur sinnvoll, wenn andere Energiesparmaßnahmen schon ausgeschöpft sind.
Keine Geldanlage im klassischen Sinne
Voll entwickelt sind laut Reizenstein mittlerweile auch Photovoltaik-Anlagen. Allerdings war solar erzeugter Strom lange Zeit für den Anlagenbetreiber in Konkurrenz zum Strom aus dem Netz unwirtschaftlich, sagt Meyer. In der Vergangenheit sei deshalb vor allem aus ökologischen Gründen und Idealismus in Photovoltaik-Anlagen investiert worden.
Mittlerweile habe sich die Situation verändert, da Energieversorgungs-Unternehmen durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz den Solarstrom zu einer Mindestvergütung abnehmen müssen. Unter Nutzung aller Fördermöglichkeiten könne mit einer Photovoltaik-Anlage wirtschaftlich auf Dauer eine schwarze Null erreicht werden, so Meyer. Eine Geldanlage im klassischen Sinne sei sie allerdings (noch) nicht. (dpa)
Sie schont nicht nur die Umwelt, sondern unter Umständen auch den Geldbeutel: Die Investition in eine Solaranlage kann sich dank neuer Fördermöglichkeiten finanziell auszahlen.
