Zählt nur die Gunst der Sonne?

Zweites Ökoforum im Berliner Abgeordnetenhaus

Unter dem Motto »Klimaschutz schafft Arbeit - Energiewende und Beschäftigung in Barcelona und Berlin« fand in der letzten Woche im Berliner Abgeordnetenhaus das zweite Ökoforum statt.

Der Vergleich der Klimapolitik der beiden Millionenstädte Barcelona und Berlin hat eine besonders pikante Note. Barcelona wird als Vorbild in Europa gefeiert, weil die katalonische Hauptstadt die aus Berlin übernommene Idee einer Solaranlagenverordnung erfolgreich umsetzte.

In Berlin dagegen wurde die Verordnung durch eine freiwillige Vereinbarung mit Bauindustrie und Wohnungswirtschaft ersetzt, die dann nicht einmal vollständig erfüllt wurde. Was der zuständige Senator für Umwelt und Stadtentwicklung, Peter Strieder (SPD), auf dem Ökoforum zu bieten hatte, waren vor allem klägliche Versuche, sein Fehl- und Nichthandeln zu verschleiern. »Wir haben in Berlin nicht die Gunst der Sonne« - so lautete einer. Durch die bauliche Struktur gäbe es Schwierigkeiten, erneuerbare Energien in der Stadt anzuwenden. Für ihn spiele auch Technik keine Rolle mehr, jetzt müsse es vor allem um Verhaltensänderungen gehen. Ob solcher Haltungen sieht manch einer die Notwendigkeit einer personellen Innovation auf diesem Gebiet in Berlin.

Der Stellvertretenden Bürgermeisterin von Barcelona, Imma Mayol i Beitran, war demgegenüber ein Enthusiasmus für die Fortschritte in ihrer Stadt anzumerken. Die Solaranlagenverordnung wird seit August 2000 angewendet. Bei Neubau oder Komplettsanierung von Gebäuden müssen solarthermische Anlagen für warmes Brauchwasser und Heizung auf die Dächer montiert werden, wenn in den Gebäuden größere Mengen warmes Wasser benötigt werden. 25 Prozent der Kosten werden dabei gefördert. Auf diese Weise konnte die solarthermische Kollektorfläche in Barcelona in drei Jahren verzehnfacht werden. Mehr als 150 Projekte sparen elf Gigawatt konventionell erzeugter Energie, vermeiden rund 2000 Tonnen CO2. Für den Zeitraum 2002 bis 2012 verabschiedete die katalanische Hauptstadt einen Energieverbesserungsplan mit 55 Maßnahmen. Mit dessen Hilfe soll der Energieverbrauch um 17 Prozent sinken.

Dr. Lutz Mez, Geschäftsführer der Forschungsstelle für Umweltpolitik der FU Berlin, wies insbesondere auf die ungenutzten Beschäftigungs- und Umweltchancen in Berlin hin. In der Hauptstadt gebe es allein auf dem Bau 40 000 Arbeitslose, wovon 25 000 eine geeignete Qualifikation für energetische Projekte haben. Würde die Sanierungsrate der Gebäude verdoppelt, fänden 15 000 Arbeitslose einen Job. Aus Mez' Sicht sind dafür auch die Vernetzung der Energieprojekte und die Unterstützung der Verwaltung beim Beschaffen von Fördermitteln nötig.

Von Heiko Baismeyer, Neues Deutschland v. 02.02.2004

 

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