Regionale Entwicklungskonzeption zur solaren Energienutzung
im Weißeritzkreis und im Landkreis Sächsische Schweiz "Solarregion vom Windberg bis zum Großen Winterberg"
Ausgangslage
Der Energie-Tisch Altenberg e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der sich als Initiative der Lokalen Agenda 21 der Stadt Altenberg einer notwendigen Energiewende von den bisher dominierenden fossilen und atomaren Energien hin zu den erneuerbaren Energien verpflichtet fühlt. Die bisher in der über dreijährigen Tätigkeit der Initiative erreichten Erfolge in der oberen Osterzgebirgsregion geben den Anlass und gleichzeitig die Zuversicht, die lokal und regional erreichten Fortschritte und gemachten Erfahrungen zukünftig in den RegionenAktiv Fördergebieten Weißeritzkreis und Sächsische Schweiz erfolgreich umzusetzen zu können und damit ein für den Freistaat Sachsen einmaliges Projekt "Solarregion vom Windberg bis zum Großen Winterberg" zu starten. Dabei soll vor allem auf die Belange der in der Region vorherrschenden Wirtschaftszweige Landwirtschaft und Tourismus eingegangen und ein Leitfaden erstellt werden, der die Schritte von der Idee des Einsatzes solarer Energie bis zur Realisierung umfasst. Die Erfahrungen und die Beispielwirkung der Aktivitäten des Energie-Tisches Altenberg sollen auf die gesamte Region übertragen werden und so potenziellen privaten, gewerblichen und öffentlichen Anwendern die Nutzung solarer Energie, eingebettet in den Einsatz anderer erneuerbarer Energieformen, nahe gebracht werden. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Frage gelegt, wie Initiativen für erneuerbare Energien entwickelt und zu einem wirksamen Netzwerk gebündelt werden können. Dabei sind äußere Bedingungen, technologische Lösungsmöglichkeiten, Absatzmöglichkeiten, Einsatzpotenziale, Fragen der Finanzierung und Förderung sowie der Genehmigungspraxis und Akzeptanzfragen zu untersuchen. Darüber hinaus soll dargestellt werden, welche ökologischen Potenziale, insbesondere der CO 2 -Einsparung im Sinne eines regionalen Beitrags zum Klimaschutz, in den beiden Landkreisen liegen. Beschäftigungswirksame Aspekte sowie Folgen für den Ausbildungsmarkt und die Vermeidung von Abwanderungstendenzen, gerade im ländlichen Raum, sollen dargestellt werden.
Projektziele
Mit der Entwicklungskonzeption soll eine Art Leitfaden für die beide Landkreise umfassende Region erarbeitet werden, der entsprechend den Erfahrungen und der Beispielwirkung des Energie-Tisches Altenberg eine Initialwirkung für die Entwicklung einer "Solarregion vom Windberg bis zum Großen Winterberg" auslöst. In diesem Leitfaden sollen auf Grundlage der bisherigen Erfahrungen und der zu tätigenden Untersuchungen - die Herangehensweise, - die Interessens- und Akzeptanzlage in der Region - die solaren Potenziale und Standorte auf Grund der Sonneneinstrahlung in
der Region, - die aus der Sonnenenergie in der Region zu erzeugenden Energiemengen, - die Einsparungspotenziale an CO 2 -Emissionen in der Region für unsere
Umwelt, - die Vorteile der solaren Nutzung für die Bürger, die Kommunen und die Tourismusregion, - die genehmigungsrelevanten Fragen, - die finanziellen und förderrechtlichen Möglichkeiten sowie Kosten- und Nutzensgesichtspunkte dargestellt werden. Im Ergebnis sollen außerdem Modelle vorgeschlagen werden , wie öffentlichkeitswirksame Initiativen für erneuerbare Energien entwickelt und gebündelt werden können. Für Handwerker und Endanwender ist Öffentlichkeitsmaterial (Faltblätter oder ähnliches) zu erstellen, das den Weg zur Sonnenenergie auf einfache Weise beschreibt. Die Studie soll untersuchen, ob ein "Solar-Info-Punkt" mit Informations- und Beratungsmöglichkeiten zu erneuerbaren Energien für die Region sinnvoll ist.
Aktivitäten
1. Untersuchung der Äußeren Bedingungen (Sonneneinstrahlung, zu erwartende Erträge
Untersuchung der solaren Bedingungen in der Region, insbesondere der Sonneneinstrahlung. Aufbau eines Strahlungsatlasses für beide Landkreise im engen Zusammenwirken mit den regionalen Wetterstationen und den Archiven der Zeitschrift "Photon". Untersuchung und überschlägige Berechnung der zu erwartenden Sonnenerträge für solarthermische und fotovoltaische Anlagen zur Wärme- und Elektroenergiegewinnung (auf beide Landkreise bezogen)
2. Untersuchung möglicher technologische Lösungen
Erarbeitung der Einsatzmöglichkeiten solarthermischer Anlagen auf Gebäuden als In- und Aufdachlösungen gekoppelt mit umweltschonenden Heizungsanlagen und anderen erneuerbaren Energieträgern im landwirtschaftlichem, gewerblichen, privaten und öffentlichen Bereich in Zusammenarbeit mit Betrieben, Kommunen und Initiativen. Erarbeitung der Einsatzmöglichkeiten für netzgekoppelte Fotovoltaikanlagen auf Gebäuden als Indach- und Aufdachlösungen sowie auf Flächen. Untersuchung des Einsatzes von Fotovoltaik-Insellösungen an geeigneten Standorten unter Nutzung neuester Kenntnisse der Entwicklung effizienter Systeme in Zusammenarbeit mit der Solarwirtschaft, Forschungseinrichtungen Kommunen und Betrieben. Gegenüberstellung der einzelnen Alternativen, Untersuchung der Eignung der jeweiligen Technologien und ihrer Vor- und Nachteile sowie der Anschaffungs- und Betriebsko-sten auf Grundlage der Erfahrungen des Energie-Tisches und aktueller Erkenntnisse und Berechnungen.
3. Untersuchung der Absatzmöglichkeiten, insbesondere in landwirtschaftlichen Betrieben
Aufzeigen der Nutzung der thermischen Wärmeenergie in landwirtschaftlichen Betrieben sowie im privaten und öffentlichen Bereich zur Warmwassergewinnung, Heizungsunterstützung sowie als Prozesswärme für die Kühlung und Trocknung. Erschließung der Möglichkeiten für den Absatz an externe Abnehmer. Aufzeigen der Möglichkeiten für den Verkauf der über Fotovoltaikanlagen geernteten Elektroenergie an Stromversorger auf Grundlage des EEG (Netzeinspeisung) unter Darstellung des Ist-Zustandes und der zukünftigen Bedingungen (Stand Referentenentwurf der Regierungskoalition) auf Grundlage der aktuellen Beschlusslage und Situation, insbesondere in landwirtschaftlichen Betrieben auf Grund hoher Förderung.
4. Untersuchung der Einsatzpotenziale
Untersuchung geeigneter Standorte für den Einsatz solarthermischer und fotovoltaischer Anlagen in beiden Landkreisen auf Grundlage des Sonnenstrahlatlasses (Punkt 1) in Zusammenarbeit mit den Kommunen. Priorität haben dabei die in beiden Landkreisen vorhandenen landwirtschaftlichen, privaten, genossenschaftlichen und öffentlichen Gebäude mit Süd- Südost- und Südwest-Dachausrichtung unter Berücksichtigung einer modernen Solararchitektur. Untersuchung geeigneter Flächen an Gebäuden (Fassaden, Giebel, Schuppen, Garagen, Wintergärten) sowie Freiflächen unter Akzeptanzgesichtspunkten (Mülldeponien u. a.) in Zusammenarbeit mit den Kommunen. Einschätzung des Interesses und der Bereitschaft der Eigentümer von Gebäuden und Flächen für die Errichtung derartiger Anlagen und der materiellen Bedingungen auf Grund der über dreijährigen Erfahrungen des Energie-Tisches Altenberg e.V. und der Trendentwicklung in beiden Landkreisen in Zusammenarbeit mit Kommunen, landwirtschaftlichen Betrieben und Initiativen. Aufzeigen der Entwicklung der Kosten bei fossilen Energieträgern, insbesondere Heizöl und Erdgas (Wärmeenergie) und bei Elektroenergie am jeweiligen Standort in Zusammenarbeit mit Kommunen und den EVU sowie Stadtwerken. Gegenüberstellung der durch Einsatz von Solarenergie möglichen Einsparungspotenziale bzw. Erlöse. Untersuchung der Möglichkeiten des Einsatzes fotovoltaischer Insellösungen an geeigneten Standorten gekoppelt mit anderen erneuerbaren Energien, etwa Kleinwindanlagen, zur Nutzung im Einsatzbereich. (Selbstversorgung) in Zusammenarbeit mit Kommunen, landwirtschaftlichen und forstwirtschaftlichen Betrieben sowie Initiativen. Wo lohnt sich Verkauf und wo Eigennutzung? Untersuchung, welche Regionen in beiden Landkreisen als besonders aufgeschlossen für erneuerbare Energien gelten. Wo gibt es bereits Initiativen? Welche Städte/Gemeinden sind der Lokalen Agenda 21 der Klimakonferenz von Rio 1992 beigetreten? Wo gibt es großen Nachholbedarf? Erarbeitung einer Übersichtskarte für beide Landkreise mit der Eintragung potenzieller Möglichkeiten für den Einsatz der Solarenergie-Erlöse.
5. Finanzierung und Förderung
Untersuchung der Möglichkeiten der Finanzierung von Solarinvestitionen über zinsgünstige Kredite durch Banken für die verschiedenen Eigentumsformen (private, genossenschaftliche, öffentliche, Gewerbe) in Zusammenarbeit mit Kreditinstituten. Untersuchung anderer Finanzierungsmöglichkeiten (z.B. bei öffentlichen Gebäuden wie Schulen, Rathäusern, Kirchen über Bürgerkraftwerke) im Zusammenwirken mit Kommunen und Initiativen. Untersuchung der aktuellen Fördermöglichkeiten des Bundes und des Landes (z.B. für solarthermische Anlagen oder gekoppelte Anlagen mit umweltfreundlichen Heizungssystemen auf Biomassebasis, wie Holzpellets, oder/und Wärmedämmmaßnahmen an Gebäuden) sowie der Möglichkeiten der Kommunen (Contracting) für die verschiedenen Eigentumsformen in Zusammenarbeit mit den Förderstellen des Bundes und des Freistaates sowie auf Grundlage einschlägiger Förderrichtlinien
sowie Vorschläge an die Politik für sinnvolle künftige Förderungen Untersuchung der aktuellen Einspeiseerlöse bei netzgekoppelten Anlagen (Fotovoltaikanlagen oder auch in Verbindung mit Kleinwindanlagen und anderen regenerativen Energien) im Zusammenwirken mit dem solaren Handwerk, der Solarindustrie und mit Betreibern von Solaranlagen.
6. Genehmigungs- und akzeptanzrelevante Fragen
Untersuchungen der Bedingungen in den Kommunen und landwirtschaftlichen Betrieben zur Genehmigung und Akzeptanz von Solaranlagen auf/an öffentlichen oder genossenschaftlichen Gebäuden sowie an unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden in Zusammenarbeit mit den Kommunen.
7. Ökologische Ergebnisse
Untersuchung des möglichen Einsparungspotenzials an CO 2 -Schadstoffmengen in beiden Landkreisen als aktiver Beitrag zum Klimaschutz.
8. Vorschläge zur Initiierung und Bündelung öffentlichkeitswirksamer Initiativen
Wie können die vorhandenen lokalen und regionalen Initiativen effektiv zusammenarbeiten bzw. neu zu gründende Initiativen in ein Netzwerk eingebunden werden mit dem Ziel eines einheitlichen, ergebnisorientierten Auftretens? Welche Erfahrungen aus vorhandenen sind übertragbar bzw. welche Fehler sollten vermieden werden, wenn es um die Bildung lokaler Initiativen für Erneuerbare Energien und nachhaltiges Wirtschaften geht? Welche Akteure sollten sinnvoller weise einbezogen werden, um zu den gewünschten Ergebnissen zu kommen? Wie können Ergebnisse der Untersuchungen ständig und wirkungsvoll an die Nutznießer und Akteure weitergegeben bzw. rückgekoppelt werden? Welches sind die wirkungsvollsten Werbeformen für erneuerbare Energien in der Region? Ist die Schaffung eines zentralen Informationspunktes über erneuerbare Energien zielgruppenrelevant oder können vorhandene Strukturen effektiv mit genutzt werden?
