Sonne auf Florian Gerster
Chef der Arbeitsämter findet ehemalige Erwerbslose in Dresdner Solarwatt-Fabrik
Ein sächsisches Unternehmen, das Arbeitslosen jeden Alters eine Chance gibt und weiter wächst Florian Gerster als Chef der Bundesanstalt für Arbeit fand beim Solarzellen-Produzenten Solarwatt gestern Grund zum Strahlen.
Georg Moeritz
Dresden. Ein Diplom-Ingenieur als Facharbeiter am Band? Ein Oberstufenlehrer mit 1 300 Euro brutto Monatslohn? Beim Dresdner Unternehmen Solarwatt Solar-Systeme GmbH fügen solche hoch qualifizierten Beschäftigten Folien und Kristallzellen zusammen und sorgen dafür, dass sie im Laminiergerät passgenau verbacken werden.
Eine sensationelle Erfolgsgeschichte", urteilte gestern Thomas Wünsche über den Betrieb. Der Direktor des Dresdner Arbeitsamtes war selbst einmal Ingenieur. Mit seinem Chef Florian Gerster ließ er sich gestern die Produktion zeigen, in der ehemalige Arbeitslose Stellen gefunden haben. Es wäre schön, wenn ich hier bis 65 arbeiten könnte, oder bis 67", sagte ein 43-jähriger Mechaniker. Sein früherer Arbeitsplatz als Zerspaner ging durch Pleite verloren, eine Zeitlang war er krank, es folgte eine Umschulung zum Kommunikationselektroniker. Jetzt steht er an einem der String-lötautomaten, die Solarwatt selbst entwickelt hat und auch verkauft, und legt Folienbahnen hinein.
Die beiden Gründer und Geschäftsführer Lothar Schlegel und Frank Schneider machen dem Arbeitsamt Freude, weil sie mit wenig Vorurteilen auf Arbeitslose zugehen. Wie alt dürfen die sein?" wollte Gerster wissen. 18 bis 60", sagte Schlegel. Aber auf allen Vieren möchte er nicht kommen", schränkte Schneider ein. Wenn er bis Ende nächsten Jahres wie geplant noch rund 40 Beschäftigte einstellt, dann werden sie fast alle vom Arbeitsamt kommen. Ein Bildungsunternehmen wählt sie aus und schult sie, das Unternehmen Qualifizierung für Mikroelektronik und Fahrzeugtechnik GmbH (QMF). Dessen Niederlassungsleiter Gerhard Teucher berichtete, ein bisschen Mathematik gehöre zum Auswahltest, auch das Vorstellungsvermögen, aber vor allem die Motivation sei wichtig. Hier entsteht ein tolles Produkt, damit steigt das Qualitätsbewusstsein."
Gerster lobte diese Zusammenarbeit von Behörde und Betrieb als Königsweg der Arbeitsmarktpolitik". Die Erwerbslosen bekämen eine Qualifizierung bezogen auf den ersten Arbeitsmarkt, und nicht ins Ungewisse hinein". Er wäre froh, wenn es das schon überall in den neuen Ländern gäbe. Doch Dresden sei ein Leuchtturm in Sachsen.
Auch beim vorangehenden Gespräch mit Beschäftigten des Dresdner Arbeitsamtes schien Gerster sich wohl gefühlt zu haben. Über die Stimmung in der Belegschaft nach den vielen Reformen sei offen gesprochen" worden in Dresden werde eher" als anderswo eine Chance in der Reform gesehen. Nähere Fragen wollte Gerster nicht beantworten, Termine drängten.
Als Technik der Zukunft" bezeichnete Gerster die Solartechnik, nachdem er von den Plänen der Dresdner Unternehmer gehört hatte. Solarwatt mit derzeit 120 Beschäftigten baut an, damit im kommenden Jahr Solarzellen für 17 statt sieben Megawatt aus den selbst gebauten Maschinen laufen können. Im Jahr 2005 will Solarwatt 180 Beschäftigte haben. Aussichtslose Verhandlungen mit Banken kennt das Unternehmen nach eigenen Angaben nicht mehr, seit es eine bestimmte Größe erreicht und einen Schweizer Fonds als Miteigentümer hat. Nur über die Nachfrage aus Sachsen sind die Firmenchefs nicht glücklich: Hier fehle das Geld für Photovoltaik-Anlagen, die meisten Kunden gebe es in Süddeutschland.
FLorian Gerster, Chef aller deutschen Arbeitsämter, findet im Dresdner Amt hohe Reformbereitschaft". Foto: APFast fertig: Regina Feilotter und Carsten Gerecke verlöten lichtempfindliche Zellen zu Solarmodulen. Beim Dresdner Unternehmen Solarwatt steht eine Erweiterung an, Arbeitslose bekommen nach Qualifizierung eine Chance.
Quelle: Internetseite des Unternehmens www.solarwatt.de
Sächsische Zeitung (Wirtschaft/ Energie und Rohstoff ), 17.09.2003
