Solarzellen statt Nussknacker

Das Erzgebirge mausert sich zu einem wichtigen Standort für Erneuerbare Energien

Brigitte Pfüller

Das Erzgebirge sieht sich nicht nur als denkmalgeschützte „Montanregion Europas“ oder als „Weihnachtsland“, sondern auch als zukunftsträchtiger Standort für erneuerbare Energien. Die passende Meldung dazu lieferte gestern die Europäische Union. Sie genehmigte Beihilfen in Höhe von 73 Millionen Euro für die Freiberger Solarworld AG. Das Unternehmen will das Geld in den Aus- und Aufbau von Solarfabriken stecken und damit rund 450 Arbeitsplätze schaffen.

„Wenn es kein öffentliches Gebäude im Erzgebirge ohne Sonnenkollektoren mehr gibt, viele Heizungen mit Holzpellets gefeuert und Kraftfahrzeuge mit Biomasse betankt werden, dann haben wir nicht nur einen Beitrag für die Umwelt, sondern auch für neue Betriebe und Arbeitsplätze im Erzgebirge geleistet“, sagte Michael Willnecker, Regionsvorsitzender Erzgebirge des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), auf einer Arbeitsmarktkonferenz in Annaberg. Die Veranstaltung, an der 140 Vertreter von Städten und Gemeinden sowie Handwerker, Existenzgründer und Arbeitslose teilnahmen, hatte der DGB gemeinsam mit der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) organisiert. „Das Erzgebirge darf nicht das Armen- und Altenhaus Deutschlands werden“, sagt Pfarrer Johannes Roscher. Er kritisierte deshalb die Kürzung der Gelder für Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen.

Zur Zeit gibt es um Annaberg nur 800 offene Stellen – für mehr als 34 000 Arbeitslose. Roscher: „Durch Arbeit in neuen Technologien wie der Solarenergie könnten viele junge Leute hier gehalten werden.“ Nach Expertenmeinung hat das Erzgebirge die besten natürlichen Voraussetzungen, einen Mix aus Solarenergie, Biomasse sowie Wasser- und Windkraft zu nutzen. Doch gibt es nach Angaben des sächsischen Umweltministeriums derzeit nur rund 1 800 Jobs in der Branche, die meisten davon in oder um Freiberg. Dort haben sich nicht nur Firmen wie die Solarworld oder Wacker Siltronic niedergelassen; es sind auch junge Unternehmen entstanden, die Dresdner Sunstrom GmbH zum Beispiel. Die Firma hat Niederlassungen in Freiberg und München und bereits mehr als 50 Anlagen installiert. „Das ist ein Wachstumsmarkt, der Arbeit bringt“, ist Sunstrom-Gesschäftsführer Stephan Riedel überzeugt.

www.sunstrom.de

Sächsische Zeitung (Wirtschaft ), 07.03.2003

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