Mit einer Tankstelle für Pflanzenöl punkten
Initiative "Tanklust" veranstaltet als ein Sieger im "Land der Ideen" Aktionstag in Freiberg - Kinderuniversität verblüfft die jüngsten Zuhörer
Die Nutzung von naturbelassenem Pflanzenöl hat gestern im Mittelpunkt eines Aktionstages in Freiberg gestanden. Die Initiative "Tanklust" präsentierte sich als Sieger beim bundesweiten Wettbewerb "365 Orte im Land der Ideen". Vorträge, Diskussionen und eine Kinderuniversität boten Gelegenheit, sich über den alternativen Kraftstoff zu informieren.
Freiberg. Mit einer Tankstelle für Pflanzenöl könnte Freiberg im Bemühen um regenerative Energien weiter punkten. In diesem Ziel haben Fachleute die Initiative "Tanklust" gestern bei einer Diskussionsrunde in der Alten Mensa mit überwiegend jungem Publikum bestärkt. Der Einsatz der Initiative für Pflanzenöl als nachwachsenden Treibstoff wurde gestern ausgezeichnet. Damit gehört Freiberg zu den 365 Orten in der Bundesrepublik, deren fortschrittliche Ideen gewürdigt werden. Die Freiberger reihen sich ein in die Liste der 20 sächsischen Sieger, zu denen unter anderem die Staatliche Porzellanmanufaktur Meissen gehört.
Vor 200 jungen Leuten aus Freiberger Berufsschulzentren und anderen Interessenten machte nicht nur "Tanklust"-Gründer Sascha Wagner deutlich, wie umweltfreundlich und wichtig der "Kraftstoff vor der Haustür" für die regionale Wirtschaft ist. "Diese sonst eher trockenen Themen wurden unterhaltsam rübergebracht. Es beruhigt mich zu wissen, dass es Menschen gibt, die sich mit Pflanzenöltechnologie beschäftigen und dabei auch unternehmungstüchtig sind", meinte Torsten Winkler, Schüler vom Freiberg-Kolleg. Sein Lehrer Norbert Strecker war mit 70 Schülern zum Aktionstag gekommen, denn das Thema "Erneuerbare Energien" steht auch auf dem Lehrplan. "Ich denke, den Schülern werden hier Anstöße für die Berufsorientierung gegeben", erklärte der Lehrer. "Einige der Ideen können wir später mit in unsere Betriebe nehmen. Der ökologische Landbau spielt ja in unserer Ausbildung eine Rolle", meinte Jan Rudolph, der am Berufsschulzentrum für Ernährung, Haus- und Agrarwirtschaft zum Landwirt ausgebildet wird. Er selbst habe als Autofahrer schon über den Umstieg auf alternative Kraftstoffe nachgedacht.
Auch wenn daran die jüngsten Gäste des Aktionstages noch nicht denken, konnten sie sich den ganzen Tag bei Experimenten davon überzeugen, welche Kraft ein Feld voller gelber Rapsblüten hat. Mit etwas Anstrengung gelang den Mädchen und Jungen, Öl aus der Saat zu pressen, mit dem die Zuhörer der Kinderuni am Nachmittag sogar noch Autos betanken durften.
Der Direktor des Instituts für experimentelle Physik, Hans-Joachim Möller, erklärte den jungen Zuhörern, dass man mit Pflanzenöl aus einem Hektar Anbaufläche zweimal von Deutschland nach Peking und zurück fahren könne. Wer Fragen zum Vortrag beantworten konnte, durfte auf dem Obermarkt eine Runde mit einem Traktor drehen, der bereits Pflanzenöl im Tank hatte. Bereitgestellt wurde er von der Agrargenossenschaft "Bergland" Clausnitz, einem Unternehmen, das sich seit Jahren alternativen Angeboten stellt und unter anderem eine Ölmühle und Biogasanlagen eingerichtet hat. Nebenbei erfuhren die Mädchen und Jungen, dass ein Feld von einem Hektar Größe, vergleichbar mit einem Fußballplatz, 3000 bis 4000 Kilogramm Raps liefern kann. Als einer der Sieger beim Quiz der Kinderuni durfte der neunjährige Michael Jaster eine Runde mit dem Traktor drehen. "Das war klasse", zeigte er sich beeindruckt von dem PS-starken Gefährt, das doch "nur" mit Öl gelber Blüten fährt.
Kommentar: Couragiert
Initiative sorgt für Ideen
Noch ist die Schar derer, die ihre Autos mit Pflanzenöl betanken, auch in der Freiberger Region klein. Von 30 bis 40 Leuten, die diesen alternativen Kraftstoff in der Region nutzen, war gestern die Rede. Das Unternehmen Soli fer, das seinen gesamten Fuhrpark mit Öl füttert, gehört noch zu den Ausnahmen.
Durch das Engagement couragierter Leute könnte jetzt aber eine Bewegung entstehen. Die Akteure von "Tanklust" haben Freiberg auf die Liste der bundesweit 365 Orte mit fortschrittlichen Ideen gebracht. Damit hat die klein begonnene Initiative und mit ihr die ganze Stadt eine Öffentlichkeit, die sie dringend braucht. Der Aktionstag gestern dürfte einigen mehr die Augen geöffnet haben, welche Bedeutung nachwachsender Treibstoff für die Umwelt und für die Wirtschaft der Region hat.
Von Gabriele Fleischer und Claudia Hanisch, Freie Presse 01. Februar 2006
Foto: Eckhard Mildner
