Wind und Wanderer

Fünf Hinweise darauf, dass sich Windkraft und Tourismus vertragen können
Von Jens Kitzler

Erwin Teufel hat das Thema im Sommerloch platziert: "Weite Teile der Landschaft sind schon jetzt verschandelt", verkündete der Ministerpräsident vergangenen Sonntag seine Meinung über Windkraftanlagen. So sei auch das Tourismusgebiet Schwarzwald gefährdet, sagen Kritiker der Windenergie. Allerdings kann man durchaus auch gegenteilige Beurteilungen und Erfahrungen finden.

In und um Freiburg argumentieren die Gegner der Windkraft, die beispielsweise gegen die Anlagen an der Holzschlägermatte protestieren, mit Ästhetik und abschreckender Wirkung auf Touristen. "Die Rotoren zwingen einen, seinen Blick darauf zu richten", sagt Elmar Klein von der Bürgerinitiative zum Schutz des Hochschwarzwaldes, "für die Schönheit des Schwarzwaldes bleibt da nichts mehr übrig". Viele Hotel- und Gastronomiebetreiber fürchten die Windräder, sagt Klein. "Die Geräusche, die Bewegungen - das wird von den Touristen nicht gerade gesucht."

Schließen sich Tourismus und Windanlagen also aus? "Nein", sagt Noriaki Ikeda, "nach meiner Untersuchung haben Windkraft-Anlagen keinen Einfluss auf den Tourismus im Schwarzwald." Am Institut für Forstpolitik der Universität Freiburg hat Ikeda seine Diplomarbeit mit dem Titel "Windenergienutzung und Tourismus im Schwarzwald" verfasst. Kern der Arbeit war eine Touristen-Befragung. Dabei stellte sich heraus, "dass sich die Mehrheit der Befragten (70 Prozent) durch die Windenergieanlagen nicht gestört fühlte". Auch auf weiteren Ausbau der Windrotoren reagierten nur wenige allergisch: Gerade mal 15 Prozent der Befragten kündigten an, künftig fern zu bleiben, sollte die Zahl der Windrotoren noch wachsen. Allerdings muss auch Ikeda einräumen, bei 90 Befragten letztlich nur eine "kleine Stichprobe" genommen zu haben.

In Breitnau haben die Landwirte Hubert Wursthorn, Ernst Hug, Markus Zähringer und Siegfried Faller bereits letztes Jahr Fragebögen an Wanderwegen ausgelegt. Dort wurden von 350 ausgefüllten Bögen rund 250 Pro Windkraft gewertet - wegen etwas tendenziöser Fragestellung aber ist die Beweiskraft nicht unumstritten. Die Fragebögen wurden der Gemeinde Breitnau übergeben.

Bei St. Peter liegt der Gschwinghof, auf dem ebenfalls Geld durch Tourismus verdient wird. Matthäus und Margarete Weber betreiben drei Ferienwohnungen - in Sichtweite von sieben Windkraftanlagen. "Als die erste aufgestellt wurde, musste man sich erst daran gewöhnen", sagt Margarete Weber. "Heute finde ich sie auf jeden Fall schöner, als Hochspannungsmasten." Die Anlagen haben die Webers ins Konzept integriert: "Wir machen hin- und wieder kleine Führungen zu den Mühlen", sagt Margarete Weber. Und dass eine Umfrage eines Reise-Kataloges unter Schwarzwald-Gästen den Hof zum beliebtesten Ferien-Bauernhof kürte, betrachten die Webers zudem als Votum der Touristen für Windtechnik.

Während auf dem Schauinsland noch an den Windrädern gebaut wird, kann man die Rotoren über Freiamt schon lange sehen. Freiamt ist Wandergebiet - auch noch mit den Mühlen? "Wir haben noch keine negativen Erfahrungen gemacht", sagt Bürgermeisterin Hannelore Reinbold-Mench. Regelmäßig mache man Umfragen unter den Gästen: "Was gefällt ihnen nicht", wolle man dort wissen. "Windkraftanlagen tauchte da als Antwort bisher nicht auf", sagt die Bürgermeisterin.

Wer beim "Förderverein Energie und Solaragentur" in Freiburg nach positiven Aussagen zu Windkraft und Tourismus sucht, wird natürlich gerne bedient, auch mit Beispielen aus entfernten Regionen. In einem Brief an die Fesa wehrt sich der Bürgermeister der Insel Fehmarn, Klaus Tscheuschner, gegen die Behauptung, Touristen würden von den dortigen Windkraftanlagen abgeschreckt. Er weist dagegen nach, dass die Übernachtungszahlen in den letzten 20 Jahren nur gestiegen sind.

Mit den Diskussionen um zwei Anlagen auf dem Schauinsland oder vier auf dem Rosskopf könnte Fehmarns Bürgermeister nicht viel anfangen: Auf der Nordseeinsel stehen 133 Windrotoren.

Quelle:http://www.badische-zeitung.de

Energiewirtschaft und Landschaftswahrnehmung

Studie Windenergie und Tourismus

Regiosolar | Top 50 Solar | Regionen Aktiv |Disclaimer| Seitenanfang |
| Energietisch Altenberg | c/o Dietrich Papsch | Tel. 035052/ 2 95 14 | Fax 035052/ 2 95 13 | Mail | (c) copyright 21.07.09 Andreas Warschau
Platz des Bergmanns 2, 01773 Altenberg